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"Zu den Bauten, die im historischen Trier nur ein kurzes Dasein fristeten, ehe sie der Spitzhacke oder einer Versteigerung zum Opfer fielen, gehört zweifellos der Viehmarkt Brunnen. Am 23. April 1825 "zum allgemeinen Besten" nach Entwürfen des Stadtbaumeisters Johann Georg Wolff ungefähr in der Mitte des heutigen Platzes errichtet, erfreut sich der acht Meter hohe Brunnen keines langen Lebens. Ganz offensichtlich ist das mächtige, mit Sinnbildern aus der Vieh- und Landwirtschaft verzierte Bauwerk aus hellem Sandstein bereits nach 70 Jahren unansehnlich geworden. Im Stadtratsprotokoll vom 15. Juni 1898 läßt sich zudem nachlesen, dass er nur noch "bedingt verwendungsfähig" ist.

 

Angesichts der Schäden hat der Stadtbaumeister schließlich keine Bedenken mehr gegen eine Beseitigung, zumal der Brunnen seine ursprüngliche Bedeutung verloren hat und bereits von der Wasserleitung getrennt ist. Der damalige Berichterstatter prognostiziert denn auch, dass der Brunnen "bald von der Bildfläche verschwinden wird".

In der Tat. Bereits am 10 August 1898 beginnt der Maurermeister Joseph Pompejus mit dem Abriss, wofür er 310 Mark erhält. Wie die Trierische Landeszeitung damals berichtet, liegt der Brunnen bereits am 12. September 1898 am Boden. Seine Trümmer sollen "möglichst wieder an anderen Bauten verwertet werden".

 

Markanteste Skulpturen des Viehmarkt-Brunnen waren die vier liegenden Löwen, die beim Abbruch sofort interessierte Abnehmer finden. Drei sind mit größter Wahrscheinlichkeit in den Besitz von Freifrau Rizza de Lasalle von Louisenthal  geb. Liebig gelangt. Davon befinden sich heute noch einer im Innenhof des Schlosses Dagstuhl bei Wadern im Saarland. Die beiden anderen sind Bestandteil des Brunnens von Schloß Liebig bei Gondorf an der Mosel.

 

Der vierte Löwe blieb in Trier. Zunächst im Besitz des Klosters zur Ewigen Anbetung in Trier-Kürenz, kommt er nach Aussagen des Amtes für Denkmalpflege der Stadt 1941 über den „Erwerb von Barockfiguren“ wieder ins Eigentum der Stadt. Heute steht der Löwe in der Ostallee gegenüber dem Haus Nr. 51/53.

(nach L. Kutscheid, Viehmarktplatz gestern...heute...morgen...Hrsg. Stadtsparkasse Trier o. J.)

Bilder: G. Müller; A. Faber, Wadern

 

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