Graf Joseph Anton - Erbauer von Schloss Dagstuhl

Gemälde von Graf Johann Anton von Öttingen-Sötern (1720-1778)

Die Regierungszeit des Grafen Joseph Anton – ein Quantensprung für Wadern und den Hochwald


Als Graf Joseph Anton von Öttingen-Baldern 1751 die Regierungsgeschäfte übernahm, bestand Wadern nur aus einer Reihe Bauernhäuser, einem kleinen gräflichen Oberamt und der zerstörten Burg Dagstuhl. Sein Vater, Kraft Anton, hatte schlecht gewirtschaftet. Im schwäbischen Hohenbaldern hinterließ er die prächtig ausgebaute barocke Hauptresidenz - hoch verschuldet. Das bettelarme Dagstuhl verwaltete der tüchtige Beamte Paul Bruno Deis. Als der 1758 starb, musste sich Joseph Anton zwangsläufig mehr als bisher um Dagstuhl kümmern. Schließlich entschied er sich, seine Hofhaltung in den Hochwald zu verlagern, wohl auch, um den aufreibenden Prozessen mit seinen Gläubigern zu entgehen. Burg Dagstuhl war so sehr verfallen, dass sich ein Wiederaufbau nicht lohnte und der Graf sich zum Neubau einer bescheideneren Schlossanlage unterhalb der Burg entschied. (...)

Graf Joseph Anton, ein aufgeklärter, gebildeter Mann und Anhänger des Merkantilismus, hatte den festen Willen, aus dem zerrütteten Land durch Verordnungen einen wirtschaftlich attraktive Region zu machen. Er förderte die Ansiedlung von Handwerksbetrieben und Gewerbetreibenden, indem er den Neuansiedlern die Steuern erließ. Wadern erhielt durch ihn 1765 die Marktrechte – ein Quantensprung für die Region. Fast jeden Monat gab es Schweine-, Kram- und Viehmärkte, die sogar die Wirren der Französischen Revolution überdauerten. Graf Joseph Anton sorgte für Ruhe, Ordnung und Sauberkeit. Unter seiner Regierungszeit wurden Strassen gebaut. Mit seiner Frau Christiane gründete er das Kapuzinerkloster.

Ein hohes Maß an Disziplin, Sinn für Gerechtigkeit und die Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten nicht die Flinte ins Korn zu werfen, vereinten sich in dieser herausragenden Persönlichkeit des Grafen. Als Graf Joseph Anton 1778 starb, war der Schuldenberg der Herrschaft größtenteils abgebaut und das barocke Wadern konnte sich dank der von ihm gelegten Grundsteine zum Zentrum des Hochwaldes entwickeln.


von Kerstin Joost-Schäfer