Fahrwald: Tafel 5

Der Zauberfarn im Fahrwald

Zwischen Gehweiler und Wadern liegt der Fahrwald. Eigentlich heißt das Farnwald, denn Farnkräuter wachsen dort in unvorstellbaren Mengen. Nun ist das Farnkraut an sich schon ein sonderbares Gewächs. Es hat nie Blüten, und dennoch siehst du im Spätsommer unter den Wedeln rostrote Tupfen. Darin sitzt der Samen, und er ist so fein, wie das feinste Pudermehl.

Aber im Fahrwald wächst auch der Zauberfarn. Man kann ihn nicht erkennen, denn er sieht nicht anders aus wie die andern Farnkräuter auch. Wer aber von seinem Samen bei sich trägt, der ist für die anderen Menschen unsichtbar, obwohl er selbst alles sieht und hört.


Einmal hatte ein Schneider von Wadern für den Herrn Pastor in Wadrill eine neue Soutane gemacht und sie dort abgeliefert. Auf dem Heimweg  ging er durch den Fahrwald. Mitten im Wald wird die Straße gekreuzt von dem Weg, der von der Bach nach Wedern führt. An dieser Stelle traf er mit einem Bekannten aus Wedern zusammen. Dem bot er einen guten Tag und wollte ihm die Hand geben. Da fuhr der Angeredete erschreckt zusammen, wendete sich ab und schritt weiter, ohne sich umzusehn.  Er wunderte sich sehr und ging seines Weges weiter. Als er zum Kaisergärtchen kam, überholte er die Hebamme. Die war eine entfernte Verwandte von seiner Frau. So grüßte er die Tante freundlich und sagte weiter: "Ei, so können wir ja mitsammen nach Wadern hinunter gehen. Wo wart Ihr denn noch so spät?" Aber die Hebamme schrie entsetzt auf: "Alle guten Geister loben Gott, den Herrn." Das gilt seit alters als ein guter Schutzspruch gegen alle Hexerei und Zauberei. Damit schlug die Frau ihre Röcke über dem Kopf zusammen, und rannte, was sie rennen konnte.


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